Kulturpolitik und große Institutionen: Künstler beißen die Zähne zusammen
Aktuelle Situation: Künstler stellen die Strategien großer Institutionen in Frage.
Am Mittwoch, dem 15. Oktober, trafen sich Vertreter der öffentlichen Hand und Kulturakteure in Genf zu einem Journée de la condition professionnelle. Die zahlreichen anwesenden Berufs- und Gewerkschaftsorganisationen nutzten die Gelegenheit, um die Arbeitsbedingungen in ihren jeweiligen Bereichen zu bewerten und Verbesserungspotenziale zu erörtern.
Manche Künstler*innen reagierten verärgert.
In den anschließenden Publikumsdiskussionen wurden in mehreren Beiträgen die großen Institutionen kritisch hinterfragt: ihre Führung, Transparenz, lokale Vernetzung und die ihnen zugewiesenen, unverhältnismäßigen Ressourcen. Dies verdeutlicht eine tiefe Spaltung innerhalb des Kultursektors.
Es geht nicht darum, Kulturschaffende gegeneinander auszuspielen, sondern die Frage zu stellen, die uns alle beschäftigt: Welchen Zweck verfolgen diese Institutionen?
Wie ist die Verteilung der Ressourcen? Die Genfer Kulturpolitik priorisiert eindeutig Institutionen, Exzellenz und Prestige, mitunter auf Kosten lokaler Verwurzelung, Bürgerbeteiligung oder solider Führung. Welche Art von Kultur brauchen wir heute am dringendsten, um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern? Eine lebendige, breit geteilte und gerechte Kultur, die eine gemeinsame Erzählung entwirft und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt. Eine vielfältige und gleichberechtigte Kultur, in der jeder seinen Platz findet.
Bis zu diesem lang ersehnten Tag größerer kultureller Demokratie werden viele Künstler weiterhin … die Zähne zusammenbeißen! Entschuldigung, ich meinte natürlich: „die Reihen schließen“.
Julien Amey, Generalsekretär
